Wir beenden demo-modus. Es hat uns Freude gemacht. Möglicherweise werden in Kürze bzw. im Laufe des Jahres auf dieser Seite neue Blogs von uns verlinkt. Allen Lesern vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Christine Marendon & Johannes Ottmar
Dienstag, 11. Januar 2011
Von
Johannes Ottmar
am
11.1.11
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Von
Johannes Ottmar
am
9.12.10
Sonntag, 5. Dezember 2010
Mondhof

*
Alda Merini:
Stanotte ho sognato l'amore
Heute Nacht träumte ich von der Liebe
sie war zart wie Ihr und ohne Fleisch,
aber ihr Atem hat meine Nächte mit
Verzweiflung und Gesang erfüllt.
So wie Eure Hand die Schwachen berührt
und sie still macht, wie jene, die trotz ihres Leids
noch nicht sterben können.
Was aber ist der Tod
wenn nicht ein mächtiger Baum voller Gesang?
Ich träumte von einem Menschen
aber dieser Mensch war ganz von Gott geschaffen.
Ein Teil dieses Menschen steckte in Eurem Mund.
Alle Menschen wurden von den Engeln geliebt und verschlungen
in ihrer übergroßen Liebe.
A.d. Ital. übers. v. C.M.
Von
Christine Marendon
am
5.12.10
Samstag, 27. November 2010
Montag, 22. November 2010
Blattauswahl
für C. M.
Unter den verwelkten suchst du ein Ahornblatt, mit rotem Stiel, auf das kein Fuß getreten hat. Am Straßeneck, wo die Zeit vergeht, liest du im Sonnenlicht die Adernschrift. Was sie bedeuten mag, zu wissen, in Wort oder Geste, wäre vermessen. Darauf käme ich nie. Ich hätte höchstens eine vage Idee.
Von
Johannes Ottmar
am
22.11.10
Donnerstag, 18. November 2010
Freitag, 12. November 2010
Sonntag, 31. Oktober 2010
*
Grauer Stein ohne Wald.
Der Gärtner darf darin
nicht graben.
Grauer Stein: ein Bild von uns.
Du schläfst schlecht, spürst
das Wachsein, das Schlafen
in den Augen anderer.
Ich glaube schon, dass es
dieses Tier, das wir gewusst
nicht ruhen lässt.
Werde ich mich entwirren?
Dass ich gerade das nicht weiß
in Zusammenhang mit mir
das ist komisch und schön.
Erinnerst du dich?
Erinnere mich gut, oh ja:
Das Amazonasgebiet
aus den Augen verlieren
sähe nach Tränen aus.
Von
Christine Marendon
am
31.10.10
Sonntag, 17. Oktober 2010
Champignons. Ein Gedicht von Jan Wagner, gelesen und besprochen von Rüdiger Käßner.
Von
Christine Marendon
am
17.10.10
Sonntag, 10. Oktober 2010
Samstag, 9. Oktober 2010
Atemzug
Entlang den Zäunen wächst Gras. Mein Liebstes
geht über die Hügel, mein Licht wächst im Baum
so hell, dass jeder Vogel Komet ist. Wind weht
und streicht die Häuser blau. Mein Liebstes ist eine
verlorene Feder, ein abgebrochener Stern, es
ist die nächste Haltestelle und von allen Zügen
der Langsamste. Von Halt zu Halt ziehe ich
Stöcke aus den Händen der Schrankenwärter, als
wäre mein Weg eine Straße von brennenden Gleisen.
Von
Christine Marendon
am
9.10.10
Sonntag, 3. Oktober 2010
Performance
Sie bückte sich, um etwas von der Straße aufzuheben. Mit einem Arm stützte sie sich am Griff ihres Gehwagens ab. Das sah riskant aus. Ich hätte aus einiger Entfernung rufen können: "Warten Sie, ich komme, einen Moment!" - und sie vielleicht doch nur erschreckt. Schneller als gedacht hatte sie sich wieder aufgerichtet. Staunend stand ich neben ihr. Der Wert der Sache, um die sie sich bemüht hatte, leuchtete mir nicht ein. Erst, als sie den gebrauchten Arbeitshandschuh auf einen hölzernen Zaunpfahl stülpte, mit zitternden Knien, glücklich über das gelungene Arrangement, dämmerte es mir. Es machte Sinn. Eine Hand voll leerer Finger grüßte am Wegesrand. Die alte Dame sagte: "Der lag da nur so rum". Sie hatte mich überzeugt. Ich wünschte einen schönen Tag. Es war nun gut.
Von
Johannes Ottmar
am
3.10.10
Samstag, 2. Oktober 2010
James Wright: Schafe im Regen
In Burgund, nahe bei Auxerre
und den Flußweg hinunter nach Avallon
ist das Gras übersät mit Schafen
die erst vor wenigen Tagen geschoren wurden.
Ihre plumpen Körper leuchten
in der feuchten Juniluft.
Schafe grasen alles ab
bis sie auf die Wurzel stoßen.
Vielleicht ist dies der Grund dafür
dass diese Regenforscher
so entspannt aussehen bei ihrem Tun.
Jemand hat sie für ein Weilchen
auf den Feldern frei gelassen und sie nutzen das aus
so lange sie können.
Burgundische Bauern werden kommen
eines frühen Morgens
und fette Schafe in einem Rund
nasser Felsen zusammentreiben.
Dann wird ein Junge allein zurückkehren in das Gras
und sich um das Gras kümmern.
Die Bauern sind gut zum Gras.
Das müssen sie auch sein.
*
A.d. Amerik. übers. v. C.M.
Von
Christine Marendon
am
2.10.10
Montag, 20. September 2010
James Wright: Geheimer Dank
Eugen Boissevain starb im Herbst 1949. Ich fragte mich schon bei unserer ersten
Begegnung, was mit Edna [Millay] geschehen würde, wenn er als Erster sterben würde.
Edmund Wilson
1
Sie putzte das Haus und streckte sich dann lang aus
auf der großen Treppe.
Auf einem dieser kalten weißen Flügel
den die komischen Vögel uns wie einen Hang zur See anbieten,
ein Brenneisen aus Schnee, das uns blendet,
erbarmungsloses Licht,
an einem Nachmittag im Winter.
Ganz nah bei der hellen Stelle, wo sie
mit einem gebrochenen Flügel niedergesunken war,
wurden meine drei Freunde und ich erwischt
wie wir still im Licht herumpirschten.
Fünf Lichter. Warum sollten sie unsere Augen beachten?
Fünf Rehe standen dort.
Sie blickten zurück, gut eine Minute.
Sie kannten uns, wirklich:
Vier chemische Unfälle des Schreckens, die innehalten
zwischen einem Selbstmord und dem anderen
auf dem vorbeigleitenden Flügel
eines Engels, der sich nicht mehr um unser Sein kümmert, unser Mitleid, unser Leid
als wir uns darum kümmern.
Warum nur sollte eine Schar von Engeln sich darum kümmern
eine einzelne weiße blinde Feder fallen zu lassen
an diese äußerste Grenze von etwas, das wahrscheinlich nicht mehr
als eine Blattlaus ist,
eine Blattlaus, die zu jenen Engeln zählt, deren Schwingen schwarze
Tropfen werfen, Tränen auf die geheimen Küsten
der Meere im Winkel
eines geschlossenen Dichterauges.
Warum sollten fünf Rehe
zu uns zurückblicken?
Sie schauten zu uns zurück.
Sie waren ängstlich und standen doch da,
lebendiger als wir vier, in ihrer Angst,
in ihrem Wohlsein.
Wir hatten einen Hund.
Wir hätten mehr Hunde haben können.
Zwei oder drei Hunde hätten vor- und zurückrennen und
diese Flakscheinwerfer umreißen können, deren Strahlen geheimnisvoller
als die Sterne in Los Angeles aussehen.
Wir sind Menschen.
Es befriedigt uns kein bisschen
einander zu töten.
Wir sind Schlieren der Obszönität
auf einem See, dessen einziger Friede
das Loch ist, wo der Mond
uns verlässt, dieses arme
Mädchen, das uns nicht allein lassen kann.
Wenn ich der Mond wäre, würde ich zu einem Sandkorn schrumpfen
im Augenwinkel eines Dichters
wo noch Platz ist.
Wir sind Menschen.
Wir sind zu allem fähig.
Wir hätten jedes dieser Rehe töten können.
Der wahre Mond der Liebenden zerstörte sich selbst
mit der Agonie einer verwundeten Tigerin
weit weg von uns.
Wir können alles töten.
Wir können unsere eigenen Körper töten.
Diese Rehe am Hang haben überhaupt keine Vorstellung davon,
wer zum Teufel wir sein könnten, außer Mörder.
Sie wissen das und glaube nicht,
dass sie es nicht wissen.
Das Menschenherz ist der verfaulte Dotter eines Viperneies
das sich, im Augenblick seiner Geburt, in einem Haufen Pferdedung
selbst zersetzt.
Ich habe keine Verwendung für die menschliche Kreatur.
Sie verursacht unmerklich Leid bei ihrem eigenen Geschlecht.
Ich bin als solche geboren, als misslungener chemischer Versuch.
Ich habe keinen Nutzen.
2
Aber
wir haben keine Hunde auf die Rehe gehetzt,
obwohl wir wussten,
eben so gut wie du weißt,
dass wir es hätten tun können,
weil
wer schert sich darum?
3
Boissevain, wer war er?
War er ein Mensch? Ich bezweifle das,
wegen dem, was ich weiß
über Menschen.
Wer war er, der
mit seinen nüchternen Augen
durch den Regen humpelte?
Ich denke, er muss wie die Daunen des Neuschnees herunter gefallen sein.
Ich denke, er muss in das Gras gefallen sein, ich denke, er wird
sicherlich gewachsen sein, um
ihre Flügel herum, wird umkreist haben und umkreist worden sein,
Blatt, Schnur, alles was sie nur brauchen konnte
um ihr stilles Haus der Lieder
im Geräusch des Wassers erbauen zu können.
4
Bei Gott, an diesem Punkt hätte ich sie auch geheiratet,
wenn ich die Gelegenheit gehabt und sie mich gelassen hätte.
Denk darüber nach. Lebendig sein mit einem Mädchen
das sich in einen Lorbeerbaum verwandeln kann,
wann immer sie sich wie einer fühlt.
Denk darüber nach.
5
Vor meinem Fenster, gerade in diesem Augenblick
Höre ich einen kleinen Wasserfall antiphonisch
Über die Steine meines Gedichtes plätschern.
*
A.d. Amerik. übers. v. C.M.
Von
Christine Marendon
am
20.9.10
Donnerstag, 19. August 2010
Sonntag, 20. Juni 2010
Samstag, 5. Juni 2010

wem gehört das Tier
im Tiertraum
das Einzige, was ich will, ist etwas
aus diesem Sicheren
der Haut des Vogellichts
ich darf nicht zu sehr wollen
ich möchte ein Laut sein
vorher und danach:
bin ich in meiner Stimme?
soll ich noch weiter gehen?
einer Richtung folgen, eine Richtung...
lies es nochmals durch und zugleich
sprich nicht mehr
gib Sinn dem Gedächtnis
aus dem heraus wir unsere Gründe behüten
dann teilt sich die Leiter selbst
alles ruht genau
niemand sagt dir, wie es wird
*
John Cage: Suite for Toy Piano. Performed by Margaret Leng Tan
*
Von
Christine Marendon
am
5.6.10
Mittwoch, 12. Mai 2010
James Wright: Gesegnet
Am Rand der Landstraße nach Rochester, Minnesota,
sinkt die Dämmerung leise auf das Gras.
Und die Augen der beiden indianischen Ponies
überschattet die Sanftmut.
Sie sind freudig zwischen den Weiden hervor gekommen
um meinen Freund und mich zu begrüßen.
Wir klettern über den Stacheldraht auf die Koppel
wo sie den ganzen Tag lang gegrast haben, ganz allein.
Sie zittern vor Anspannung, können ihr Glück kaum verbergen
über unser Kommen.
Sie neigen sich scheu, wie nasse Schwäne. Sie lieben einander.
Keine Einsamkeit gleicht der ihren.
Wieder bei sich, beginnen sie, im Dunkeln
an den frischen Frühlingsgräsern zu knabbern.
Ich möchte das schmächtigere von beiden umarmen,
denn es ist zu mir gekommen
und liebkost meine linke Hand.
Es ist schwarz und weiß,
die Mähne fällt ihm wild über die Stirn
und in der leichten Brise streichle ich sein langes Ohr,
das zart ist wie die Haut am Handgelenk eines Mädchens.
Auf einmal wird mir bewusst,
dass wenn ich aus meinem Körper herausträte,
ich eindränge in das Wesen einer Blüte.
A.d. Amerik. übers. v. C.M.
*
Reading and Analysis of A Blessing
Von
Christine Marendon
am
12.5.10







