Montag, 26. Januar 2009

Schlafplatz Ameisenstube


Mit Fühlern dran, ein großer Kopf
die glänzenden Facettenaugen aufgerissen
nicht zu ermessen, so unkonzentriert

Am Nicken, was das Zeug hält
hektisch mit Blick auf die Gruppe
Note, Telegramm, Depesche

Kurzes und langes Antennenkreuzen
die Betrillerung zeigt an
wer erschöpft ist, wer noch kann

Die Nase voll von den Signalkaskaden
den Pheromonen auf Ameisenstraßen
dem kollektiven Pinkeln, den Verabredungen

Ausgepumpt Kraft zu tanken
zur Produktion von Ameisensäure
die gefragt ist, als Waffe oder Hausmittel

Eine Aufgabe, die ihn von sich aus
auffängt, wenn er umfällt
gründlich zerstreut



Erschienen in "Dorf"
Fanzine mit Kunst von Patrick Farzar, Dennis Scholl, Jörn Stahlschmidt, 4000
Texte: Johannes Ottmar