Hörte in der Nacht ein Wesen schreien, draußen
vor dem Fenster: „Ich brauche einen Gefährten!“
heulte es, im Mondlicht stehend, verkümmertes
Gefieder, groß wie ein Meeräffchen, nur klettern
konnte es nicht. Die Flügel stummlig, Flaumläppchen.
Wackelt mit coupiertem Schwanz, kommt wieder. Jede
Nacht Gebrüll: „Ich brauche einen...“. Ist ja gut. Komm
her du Tier. Will dich ein wenig drücken und zupfen an
deiner Gänsehaut. Und überhaupt: nimm doch mich. Wir
gehen auf Reisen und schreiben uns die schönsten Briefe:
„Werter Apterygier, cher Didu, hier auf den Molukken ist's
so einsam, ohne Sie“. Und du: „Ich raste im Schatten des
Kalvarienbaums und knacke Nüsse. Ihr Dodo de Nausée“. Vier
von deiner Art als Mahlzeit für hundert Matrosen, heiliger Nazar,
mein König von der Schwaneninsel, oiseau lyre, lustig war die Jagd
auf dich und einfach. Nicht mal ein Häuflein Asche übrig. Lass uns
ein wenig schlafen. Und träumen. Es war einmal. Im blauen Ozean.
Samstag, 3. Oktober 2009
Dronte
Von
Christine Marendon
am
3.10.09