Vergessenes liegt auf der Zunge. Es staut sich, bis die Zunge nicht mehr trägt. Geräusche nur, die aus dem Inneren dringen. Von außen nicht sichtbar, keine Beulen und Schwellungen, keine fiebrigen Rötungen. Die Zunge hält viel und ist geduldig. Sie kann warten, bis morgen, übermorgen oder irgendwann, bis zum letzten Moment, in dem möglicherweise alles hinübergeschaufelt wird in ein Morgen, das irgendwo und irgendwann sein kann.
Es verbirgt sich in der Höhle. Es dauert und vergeht nicht. Vergessenes ist immer da. Der Mund kann halten und verbergen, er trägt, verschließt und bewahrt.
Das Herz schlägt, sein Klopfen erinnert: es ist Zeit, sie ist knapp: das Pochen auf die Zunge legen, um sie zu besänftigen, mit sanftem Druck und mit Hilfe des Atems, damit nichts verkohlt, kein schwarzer Brocken aus dieser Höhle fällt, auf den Boden, und alles wird still.
Donnerstag, 5. November 2009
Lingua
Von
Christine Marendon
am
5.11.09