Dienstag, 29. September 2009

Wichtige Rollen


wichtige rollen

Sonntag, 20. September 2009

Jerôme will Busfahrer werden


Dieser Busfahrer begrüßt die Fahrgäste, die aus der ankommenden S-Bahn heraus gerannt kommen, persönlich mit einem "Guten Abend". Was nicht so oft vorkommt. Feiner Kerl. Er macht keinen Skandal aus seinem Abfahren, sondern wartet, bis auch der Letzte eingestiegen ist, die Hektischen und die Trägen, Mütter mit Kinderwägen, eine Frau mit Gehhilfe, der Mann mit dem Atemgerät, bevor er zügig, aber entspannt los fährt. Es ist nicht nötig, dass sich jemand unter den Bus wirft, um ihn zu stoppen. Das Gelenkfahrzeug knickt seitlich ein, läuft flüssig, rollt an den Bordstein, verbeugt sich vor einem Rollstuhlfahrer. Der Busfahrer nutzt die Zeit vor der roten Ampel, kassiert einen Fahrschein und lässt über die nächste Haltestelle die Wahrheit verkünden. Die Abläufe wirken ganz natürlich. Ein Könner.

Montag, 14. September 2009

Kunstjesus



J

James Wright: Heiliger Judas



Als ich losging, um mich selbst zu töten, stieß ich
Auf eine Meute von Ganoven, die einen Mann zusammenschlugen.
Ich rannte, um sein Leid zu verkürzen, vergaß dabei
Meinen Namen, mein Sein, wie mein Tag begann,
Wie Soldaten um den Stein im Garten herumliefen
Und lustige Lieder sangen; wie diesen ganzen Tag lang
Ihre Speere die Menge in Schach hielten; wie ich allein
Um den richtigen Lohn feilschte und mich heimlich verdrückte.

Vom Himmel verbannt, fand ich dieses geschlagene Opfer,
Entkleidet, auf den Knien, und weinend zurück gelassen. Ich warf meinen Strick
Beiseite, ich rannte, achtete nicht auf die Uniformen:
Dann entsann ich mich des Brotes, das mein Fleisch gegessen hatte,
Des Kusses, der mein Fleisch aß. Geschunden ohne Hoffnung,
Hielt ich den Mann für Nichts in meinen Armen.

Übers. v. C.M.

Dienstag, 8. September 2009




Obolus


Ein Wort hat das andere ergeben. Die letzte Währung liegt schwer auf der Zunge und garantiert die Überfahrt ins Totenreich. Sie stehen am Ufer des Acheron, warten darauf, dass sie abgeholt werden, eingesammelt von der einzigen Fähre, die den Strom überquert. Viele haben zu ihrer Zeit einen mittelmäßigen Wandel geführt. Nun wollen sie ihren Beitrag leisten, wenn auch noch so gering, für bare Münze genommen werden, Eintritt bezahlen, milde Spende sein, eine kleine Bestechung. Sie sind schwierig aufzuschnappen, nur mit Mühe zu greifen, kaum, dass man noch auf sie zurückkommen kann, in ihrem Zustand. Es handelt sich um Wörter, wenn der Zugriff erfolgt, die im Begriff stehen, einzutauchen im See der Wörter, wo Wörter büßen müssen, nach allem, was sie angestellt haben, um endlich der wohlverdienten Vergessenheit anheim zu fallen. Viele rettet auch das nicht mehr, sie bleiben in schlechter Erinnerung. Könnte es doch anders sein, mythosfrei. Dabei ist es, als wären sie selbst tot noch am Leben gewesen, sobald sie wieder geboren sind.

Samstag, 5. September 2009



"Meine Füße mit heißem Wasser übergießen – nach dem Aufwachen Buttermilch schmecken - „Claire de Lune“ hören – frisch gebrühten Kaffee riechen – singen während ich mir das Gesicht wasche – das Fell eines Hundes berühren – Haare sehen, die im Wind flattern, in der Sonne glänzen – dies beschreibt für mich das Unbeschreibliche. Ich liebe es, aber das ist normal. Das Besondere ist, dass ich das alles oft auch hasse, aber nur, um dann wieder blindlings zurück zu laufen und mich mit einer noch größeren Liebe als vorher dem hinzugeben."

James Wright, Aus den Briefen