Am heutigen Tag, morgens, von neuem
begonnen, das Kapital zu prüfen,
fallende Münzen zu fangen,
im Hasch-mich-Spiel
um Leben und Tod
der Wörter, des Vermögens
alles in fiktive Währung zu tauschen.
Samstag, 27. März 2010
Von
Christine Marendon
am
27.3.10
Mittwoch, 17. März 2010
Das Frieren und Frösteln wurde mitgenommen.
Wechselnde Kältegrade gingen bis auf die Knochen.
Ein roter Faden unter roten Fäden zog sich durch.
Von
Johannes Ottmar
am
17.3.10
Montag, 15. März 2010
Bald soll Frühling sein und dass ich es
ahne, zerrt an mir wie die Brise, die
heranweht, ihre Klauen in Fleisch
schlägt, diese blasse, lichtscheue Haut
aufreißt, damit Wunden sich schließen
und etwas wieder heilen kann.
Von
Christine Marendon
am
15.3.10
Montag, 8. März 2010
"... dass möglicherweise jeder jeden über ... Ecken kennt ..."
Wir kannten uns
Die Reise war kein Traum geblieben, sondern wahr geworden, ungeachtet dessen, dass sich in Koblenz das Deutsche Eck befand. Trotzdem. Wie sich heraus stellen sollte, spielte das berühmte Reiterdenkmal indirekt eine Rolle, über Bande. Was nicht beabsichtigt war, sondern aus Versehen passierte, in einer Stadt, durch die der Rhein floss, zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Ich konnte das Deutsche Eck, das wilhelminische Zeitalter, den Nationalsozialismus und die vor Ort ansässige Bundeswehr, Tatsachen der Geschichte und Gegenwart, vorläufig vergessen, um später darauf zurück zu kommen. Natürlich war Koblenz eine weltoffene Stadt. Das war ja allgemein bekannt. Touristen aus aller Welt bildeten einen bedeutenden ökonomischen Faktor, das studentische Leben pulsierte. Mittendrin besuchte ein Onkel seine Nichte, die neben dem Studium Geld verdienen musste, um über die Runden zu kommen. Die Fahrradverbindung vom Bahnhof zur Uni erwies sich, wie angekündigt, als gewöhnungsbedürftig. Ansonsten verlief der Verkehr auf dem Rhein flüssig, die Schiffe, von Gedanken getragen, mit Brennmotoren angetrieben, stießen CO2 aus. Es ging alles seinen Gang durch die Zeiten, eine Gelegenheit trug zu einer anderen Gelegenheit bei, Chinesen drehten Filme, Engländer besuchten Kunstausstellungen, Franzosen lachten beim Vorzeigen ihrer Fahrausweise, junge Amerikaner wirkten müde. In Koblenz lockte die Ferne. Der Stadt konnte das nur recht sein. Ich war nicht lange genug dort, um jemanden kennen zu lernen. Während ich mit einem ausgeliehenen Fahrrad kämpfte, das für meine ausgewachsenen Beine viel zu klein war, sprang mir das anfangs erwähnte Kaiser Wilhelm I. - Denkmal am gegenüber liegenden Ufer in die Augen, am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Nach seiner Zerstörung bei Kampfhandlungen oder Schießübungen im Ersten oder Zweiten Weltkrieg wäre ein Wiederaufbau aus privater Tasche in den Neunzigern wirklich nicht nötig gewesen. Nun war es wiederauferstanden, vorerst nicht aus der Welt zu schaffen. Ich hätte es gerne ignoriert, aber es gelang mir nicht. Als die Saddam-Hussein-Statue in Bagdad umgerissen wurde, floss der Tigris träge dahin, das Hamburger Bismarck-Denkmal überragte die Elbe. Was möglich gewesen wäre, ohne den ehernen Wilhelm an diesem besonderen Ort: Ein Pony-Hof vielleicht, ein Institut für internationale Begegnung, ein Umschlagplatz für Ideen, wo eines und das andere zusammen fand, um gemeinsam in die Welt hinaus zu strömen... Wenigstens schien Juri in Koblenz soweit zufrieden zu sein. Sie behielt sich ihre Unzufriedenheit vor, wie etwas, das sich verteilen ließ, auf Jahre hin, gemischt in das Glück, das sie erwartete. Manchmal war sie ungeduldig, manchmal nicht. Alles war im Fluss. Glücklicherweise wurde Karsten Kronas Mitbewohner in der Schenke-WG, Juris Koblenzer Wohngemeinschaft, deren Name Programm war. Von daher.
Text von J. O., erschienen in dem Fotoband "Schenkendorfstraße 1" (Februar 2010) von
Von
Johannes Ottmar
am
8.3.10